Lass die Titten drin, zeig die Ellenbogen

Warum wir aufhören sollten schön zu sein und uns nicht nur am Weltfrauentag feiern dürfen.

KIZ bringen es mit dieser Zeile ganz wunderbar auf den Punkt: Sei nicht schön. Sei eine Kämpferin. Sei intelligent. Sei stark. Sei wütend. Sei mutig. Sei stolz. Sei lustig. Sei frech. Sei einfach und um Gottes Willen genau das, was Du sein willst. Es gibt so viel mehr als nur Schönheit. Und ist Schönheit nicht ein viel zu subjektiv und im Auge des Betrachters liegendes Merkmal, um es sich als ernsthaftes Ziel zu setzen? Hat nicht jeder das Recht darauf sich schön zu fühlen, wie er ist. Völlig frei von Normen, Konventionen und medial geprägten Stigmata.

Gerade in den aktuellen Zeiten von Sexismus-, Feminismus, #metoo- und wasweißich- Debatten ist es wichtig, sich als Frau darüber im Klaren zu sein, wer wir sind und was uns ausmacht – nicht nur was uns schön macht. Und lasst uns vor allem zusammenhalten. Denn der größte Feind der heute selbstbestimmten Frau sind in den seltensten Fällen die Männer. Es sind wir selbst.

Es sind die selbsterkorenen Feminismusfotzen, die für alles kämpfen, aber nicht für die Rechte der Frau.

Vielmehr geht es um eine aufgesetzte Widergutmachung, eine Art Rache, die mit der Brechstange gefordert wird. Wie kann es sein, dass Frauen, die sich als Feministen bezeichnen, alles dafür tun das Bild der Frau zu zerstören. Es wird gegeneinander gekämpft. Es werden Frauen schlecht gemacht. Es wird das klassische Rollenbild der Frau verflucht. Es werden Vergewaltigungen mit einem Blick in den Ausschnitt gleichgesetzt. Es wird die Frau über den Mann, anstatt dem Mann gleich gesetzt.

Das geht an genau die Gruppe Frau, die sich für etwas Besseres hält. Die sich selbst an die Spitze der Evolution setzt ohne sich der Tragweite dessen bewusst zu sein. Wie kann ich für Gleichberechtigung kämpfen und diese aber dem Mann nicht mehr zu Teil lassen kommen, anstatt für das zu kämpfen, was man ist. Mit Intelligenz und Können zu überzeugen, anstatt irgendwelche Frauenquoten durchsetzen zu wollen. Selbst mit dem Kopf gegen die Wand rennen und sich mit den eigenen Waffen erschlagen.

Ihr, die Ihr die Nationalhymne verweiblichen wollt. Ihr, die Ihr Sexismus in jeder Alltagssituation vermutet. Ihr, die das Bild der Feministen beschmutzt indem ihr es ausnutzt, um Eure persönliche Ansicht der Dinge zu legitimieren. Ihr, die Ihr schreckliche Einzelschicksale instrumentalisiert um Euren persönlichen Rachefeldzug gegen das männliche Patriarchat zu führen. Ihr seid es, die dazu führen, dass man nicht mehr voller Stolz Frau sein darf und sich schon gar nicht mehr Feministin nennen. Ihr sucht nicht den konstruktiven Dialog, sondern die durch Feindseligkeit geschürte Alleinherrschaft. Oder Alleinfrauschaft – verzeiht.

Und genau das ist der Grund, warum Ihr anti-sexistischen Feminismusfotzen mich fast genauso nervt, wie die „Ich bin kein Nazi, aber….“- Schicht unserer Gesellschaft.

Denn nein, man wird nicht jawohl nochmal sagen dürfen, dass Frauen das bessere Geschlecht sind. Wir erreichen Gleichberechtigung nur, wenn wir für eben diese kämpfen. Und nur so haben unsere weiblichen Vorbilder schon so viel erreichen können. Wir können nicht erwarten, dass das Geschlecht egal ist, wenn die Hälfte von uns nicht nach Gleichberechtigung, sondern nach Bevorteilung sucht.

Ich will keine Vorteile dadurch haben, dass ich eine Frau bin. Nur eben auch keine Nachteile.

So will ich nicht bevorzugt behandelt werden, nur weil ich mit tollen Brüsten gesegnet wurde. Vor allem will ich aber auf gar keinen Fall weniger Geld verdienen, nur weil ich einen gesunden Uterus habe. Es geht hier nicht darum, aufzuzählen, was in unserer Welt da draußen wirklich noch alles falsch läuft. Wie oft wir tatsächlich darunter leiden eine Frau zu sein. So werden mehr Frauen geschlagen, vergewaltigt und belästigt als Männer – so weit so scheiße. Nur hilft es den Vergewaltigungsopfern bei einer #metoo-Debatte, die endlich für ihr Recht auf Gehör einstehen wirklich, wenn Ihr es mit billigem Sexismus am Arbeitsplatz vergleicht? Nein. Also wie soll die Welt da draußen, denn verstehen wo die wichtigen Probleme liegen, wenn so viel Nichtiges problematisiert wird?

Lasst mal an uns selber arbeiten, anstatt gegen andere.

Lehnt Euch gegen das System, aber nicht gegeneinander auf. Lasst uns zusammen halten und für wirkliche Gleichberechtigung kämpfen. Lasst uns an alle Frauen glauben und uns gegenseitig unterstützen. Wir kämpfen gegen Bodyshaming, werden aber meistens von Frauen niedergemacht? Wir kämpfen gegen das kleine Dummchen, das aber immer noch allzu oft Erfolg hat? Und ertappen wir uns nicht immer wieder selbst dabei eben doch den eigenen Vorteil daraus zu ziehen eine Frau zu sein?

Unzählige Beispiele findet man dazu im Alltag. Sei es die Piepse-Stimme, wenn man etwas besonders dringend will. Der tiefe Ausschnitt, um im Club weniger zu zahlen. Der kurze Rock, damit der Nachbar noch schnell den tropfenden Wasserhahn repariert. Was die Gesellschaft so liebevoll die Waffen einer Frau nennt, ist im Grunde unser größtes Problem. Denn nutzen wir diese, richten wir sie nur gegen uns selbst.

Ich bin eine gestandene Frau und will ernstgenommen werden. Bettel aber mit Piepse-Stimme um die Gehaltserhöhung und lass mich sofort unterkriegen, nur um nicht abgewiesen zu werden? Ja Amen, Schwester! Also: Lasst die Titten drin – zeig die Ellenbogen. Kämpft für Euch. Für uns. Für alle. Für Menschen. Für Gerechtigkeit. Nicht nur für Gleichberechtigung. Vergesst nicht die unterdrückten Männer und dreht den Spieß nicht einfach um. Lasst uns als Gemeinschaft gerechter funktionieren. 

Zieht Euch den Feminismus-Stock aus dem Arsch!

Richtig gelesen: Zieht Euch den Feminismus-Stock aus dem Arsch, hört auf zu predigen und lacht zur Abwechslung auch mal über Euch selbst. Und dann lasst uns an einer Gesellschaft arbeiten, in der es nicht mehr um Mann oder Frau geht, sondern um den Menschen. Lasst uns mal auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Jeder macht sein Ding, und das ist meistens auch genau so genau richtig. Völlig egal ob Mütterchen am Herd oder Karrierefrau im Chefsessel. Oder Karrierefrau mit Kind und Mann. Oder ohne Mann. Merkt Ihr was? Es. Ist. Egal. Unter’m Strich können die Männer nicht ohne uns und wir nicht ohne sie. Also feiern wir. Feiern wir alle wunderschönen, starken und eigenständige Frauen da draußen. Ermutigen wir jede unterdrückte Frau und halten wir verdammt noch mal endlich zusammen.

Probs gehen raus an: https://www.youtube.com/watch?v=tHT_wjaF9JM

Das wird mein Jahr - jetzt wirklich

Schluss mit 'Nicht mein Tag - jahrelang' auf geht's 2018, ich hab Bock!

2018 - Jahr, Ich will!

Jetzt ist dieses ominöse ‚neue Jahr‘ auch schon wieder eine Woche alt. Na, wie oft seid Ihr schon schwach geworden? Wie strikt haltet Ihr Euch an Eure Vorsätze? Habt Ihr überhaupt Vorsätze?

Klar, Vorsätze sind irgendwie nicht cool und man tut gerne so, als wär alles perfekt und es soll bloß so bleiben, wie es ist – Aber stimmt das? Wirklich, jeder der diesen Satz zu 100% unterschreibt, feier Dich, freu Dich und sei glücklich. Ehrlich. Egal wie sehr ich jedoch versuche es so zu sehen, es klappt nicht. Und so ungern ich es zugebe – ich hab ‚ne Menge Vorsätze für dieses Jahr.

Nachdem 2017 ganz schön was zu Ende gegangen ist bei mir, heißt es 2018 mit ‚ner ganzen Menge Anfängen anzufangen. Ich verpack das liebevoll als Vorsätze, wobei es grundsätzlich eher logische Konsequenzen sind. Sind Vorsätze nicht immer logische Konsequenzen? Antworten auf Fragen, die wir uns so ungern stellen wollen?


Schauen wir uns das doch mal an: Abnehmen.

Klar, abnehmen will immer jeder, gesünder leben, mehr Sport. Doch was steckt hinter dem Vorsatz? Da ist doch viel mehr die Angst vor gesundheitlichen Schäden. Die Angst vor weniger Akzeptanz. Und wo liegen die Wurzeln? Warum muss ich überhaupt abnehmen? Warum habe ich so viel zugenommen?
Bei mir kamen die meisten mehr als überflüssigen Kilos im letzten Jahr dazu. Ja, 2017 war für mich alles andere als leicht und alles andere als leicht wurde irgendwie dann auch ich. Ich hab Respekt vor all den Menschen, die Frust in Energie umwandeln und Sport machen. Ich wandle Frust eher in Kalorien um. Geh ich durch eine richtig beschissene Zeit und zerreiß innerlich, reißen relativ bald die Knöpfe an meinen Hosen. Tja, nun wachsen Strumpfhosen ja leidigerweise relativ lang mit und ich konnte ganz wunderbar die Augen vor der Realität schließen, aber machen wir’s kurz: Jetzt steh ich hier und beginne 2018 mit dem Klassiker unter den Vorsätzen. Amen.


Weiter geht’s im heiteren Vorsätze-Roulette: Weniger trinken.

Klar, dass ich hier nicht von Wasser rede. Davon will ich außerdem endlich mal mehr trinken – Gesundheit und so. Aber zum Thema: Warum will ich weniger trinken? Richtig, weil ich zu viel trinke. Gar nicht mal mehr so eskalativ beim Feiern (auch so’n Ding mit dem ich 2017 gebrochen habe irgendwie), nein – vielmehr zu regelmäßig. Was ist die Antwort auf `nen beschissenen Tag? Klar, ein Glas Wein. Oder zwei. Ach was soll’s die Flasche ist ja schon mal auf. Oh Schnaps? Gerne, aber genüsslich. Genüsslich noch 1,2,3… und so weiter. Klar kann man Sorgen und Ängste nicht ertränken, dass die schwimmen können weiß jeder, doch ein bisschen weniger weh tut es schon, wenn sich die Welt so lustig dreht. Oder? Erwischt? Ja. Und von der Antwort auf eine beschissene Phase wollen wir erst gar nicht anfangen, der Glascontainer hat vorwurfsvoll genug geguckt.


Noch ein Klassiker: Mit dem Rauchen aufhören.

Ok, wer mich kennt, weiß was kommt: Das ist Quatsch. Das verschiebe ich wirklich auf 2019. Oder auf einen positiven Schwangerschaftstest.



Ein bisschen individueller? Kein Problem! 

Dann hab ich da noch so ein paar kleinere Vorsätze. Ich will mehr lesen! ich bin die absolute Leseratte, zumindest war ich das immer. Leider musste ich im letzten Jahr merken, dass proportional zu meinem psychischen Zustand auch mein Leseverhalten rapide sinkt. Kurz gesagt: Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, auf keinen Satz, kein Wort. Immer wieder hab ich versucht es mir schön zu machen und immer wieder musste ich nach 10 gelesenen Seiten feststellen, dass ich nicht im geringsten wusste, was ich da gelesen habe und musste das Buch immer wieder resigniert weglegen. Immerhin hab ich daraus lernen können, wenn ich heute beim Lesen einfach nicht weiterkomme und mein Kopf offensichtlich ganz woanders ist als meine Augen, dann ist das mein persönlicher Alarm, der mir sagt, das irgendwas ganz und gar nicht stimmt gerade.

Dazu kommt: Mehr lesenswertes lesen. Ich gebe zu, nichts unterhält mich mehr als psychopathische Serienmörder und richtig abgefuckte Thriller. Doch muss ich als absoluter Literaturliebhaber mich jetzt auch endlich mal wieder mehr den Klassikern widmen. Ergo: Drei Klassiker pro Monat. Mein Endziel dabei ist es, endlich mal Krieg und Frieden von Tolstoi nicht nach der Hälfte in die Ecke zu werfen. Ich bin gespannt. 

Noch was: Mehr schreiben. Damit meine ich mein Baby hier, den Blog, aber auch und vor allem einen meiner größten Kindheitsträume - ein Buch. Und eins kann ich der kleinen 6-jährigen Jenny, die bei jedem Poesiealbum Schriftstellerin als Berufswunsch angab, versprechen: Die ersten Worte in die richtige Richtung stehen. Es bleibt spannend und ich gespannt.


Was haben wir noch? Sich selbst verwirklichen!

Der Befreiungsschlag unter den Neujahrsvorsätzen. Klingt so gut, ist so beschissen schwer. Und der mehr als offensichtliche Grund dahinter? Ich bin unglücklich mit der Gesamtsituation, komme zu kurz in meinem eigenen Leben und hab trotzdem eine Riesenangst neu anzufangen. Auch hier hat mich 2017 schon mal in die richtige Richtung geschubst. Depression, Job verloren, patsch – Boden der Tatsachen. Doch genau das bietet mir die größte Chance, die ich mir nur wünschen konnte. Nur ist diese Chance, um es im Nebensatz zu erwähnen, auch die zeitgleich größte Last. Denn: Was will ich denn eigentlich? Meine Generation hat das unfassbare Privileg werden zu können, was man will. Keine Rollenbilder, die mir irgendwas vorschreiben. Keine Zwänge dies oder jenes beruflich machen zu müssen. Aber auch keiner, der mir sagt, wo es wie am besten für mich lang geht. Keiner, der einem hilft und sagt, hey das passt zu Dir – Mach! 
Keiner, der mir garantiert, dass dies oder jenes funktionieren wird. Tausende, die Dir sagen, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, das zu tun, was Du willst. Aber was will ich? Ja, hier drehe ich mich noch in einem Karussell aus Träumen, Ängsten und Sorgen. Mich erdrückende Alltäglichkeiten, die Hand in Hand gehen mit diesem einen großen Traum. Falsch, mit vielen kleinen Träumen. Doch welchen Weg ich gehe und für welchen Traum ich mich entscheide, tja, da setz ich verdammt viel auf 2018. Und auf mich. Denn wenn einen alles zu erschlagen droht und man vor lauter Wenns und Abers nicht mehr weiß wohin, dann sollten wir alle mal eines tun. Durchatmen und uns selbst vertrauen. Denn wisst Ihr was? 

Mein größter Vorsatz ist wohl genau das. Mir selbst vertrauen. Auf meinen Bauch zu hören. Weil wird schon. Wird immer.


Ich bin mir sicher, 2018, das wird was mit uns. Und hey, wenn nicht? Dann kommt in ziemlich genau 359 Tagen das nächste neue Jahr. Der nächste Zeitpunkt für ‚neues Jahr – neues Glück‘. Und eins noch: Schieben wir das mit den Anfängen nicht immer auf’s neue Jahr. Schieben wir es viel öfter auf uns. Denn im Grunde ist es doch scheißegal wann man wie und wo mit wasauchimmer startet. Am Ende zählt nur, dass man es tut. So kann ich mir jeden noch so normalen Tag im Jahr nehmen und mir irgendetwas anfangen. Dann ist es auch nur noch halbsoschlimm, wenn man dem Big Rösti nicht widerstehen konnte und sich jetzt trotzdem mal ein Weinchen gönnt. Vielleicht ist einer der besten Vorsätze auch einfach: Verschieben wir grundsätzlich nicht immer alles auf irgendwann. Du hast nur ein Leben – genieß das, sei gut zu Dir und vertrau auf Dich. 
Jeden. Gottverdammten. Tag. 

Kein Euphemismus dieser Welt.




hier ein Bikini-Body: ein Body in einem Bikini. Basta. 


Der Euphemismus. Ein weit verbreitetes Stilmittel, um unangenehme Umstände verschönigt darzustellen. Gutes Beispiel: 'Opa ist friedlich eingeschlafen' anstatt 'Opa ist nach stundenlangen Schmerzen gestorben'. Schlechtes Beispiel: 'Mode für die starke und selbstbewusste Frau' anstatt 'Große Größen für Dicke'.

Die Realität ist nämlich, ich bin dick. Dick ist ein Wort. Ein Adjektiv. Nicht mehr und nicht weniger. Am besten zu vergleichen mit groß, klein oder dünn. Keines davon steht in irgendeinem Zusammenhang mit Attraktivität. 'Stark' als Euphemismus für dick nervt mich in etwa so sehr, wie die RTL-Alliteration der Rüstigen Rentnerin Roswitha bei Bauer sucht Frau. Und Bauer sucht Frau selbst. Literarisch gesehen machen Euphemismen durchaus Sinn., wie jedes andere Stilmittel der deutschen Sprache sollte man es halt bitte nicht übertreiben.

Dick zu verschönern impliziert, dass es dick zu verschönern gilt. Dass dick negativ besetzt ist. Dass dick gleichzusetzen ist mit hässlich und krank. Warum also die Sache nicht einfach benennen, wie sie ist. So wie dick nicht für hässlich steht, steht dünn auch nicht für schön.

Und Freunde, ich hab es so satt zu hören, dass ich für mein Gewicht wirklich eine schöne Frau bin. Dass ich ein hübsches Gesicht habe oder mein Übergewicht mit meiner positiven Ausstrahlung locker wett mache. Dieses kleine aber, dass in jedem dieser Komplimente mitschwingt tut weh. Jedes dieser kleinen abers sorgt dafür, dass dicke Mädchen an sich selbst zweifeln. In ihrer Entwicklung eingeschränkt werden, krank werden. Ich hab es satt, dass normalgewichtige Models als Plus-Size verkauft werden. Dass wir in einer Gesellschaft leben in der zu dick immer noch so viel schlimmer ist, als zu dünn. Beides sind Extreme, die nicht gesund sind. Aber auch nicht zwangsläufig krank.

Ich bin mein Leben lang die große Dicke. Wobei mit dem groß in der Regel keiner ein Problem hat. Ich bin so, wie ich bin. Meine Waage schwankt grundsätzlich 10kg hoch und runter. Aber das Leben an sich bedeutet so viel mehr als eine Zahl auf der Waage. Das Leben ist so viel schöner, als es irgendeine Skala der angeblichen Normalität beschreiben könnte. Ich bin vielleicht auch deshalb ein selbstbewusster und positiver Mensch geworden, weil ich schon immer so tun musste, als würde ich mich pudelwohl fühlen. Mich oft hinter einer Fassade aus Ich-bin-gut-so-wie-ich-bin Lügen versteckt habe, damit Lästereien und Ausgrenzungen gar nicht erst an mich ran kamen. Mir mein Selbstbewusstsein über meine Außenwirkung aufgebaut und mich selbst über mein Auftreten und mich vor allem viel zu oft über das von Männern begehrt werden, definiert habe.

Das führt zu Schmerz und Unsicherheit. Hier, nimm lieber meinen Körper, als dass Du mich gar nicht begehrst. Viel zu oft verwechselte ich Lust mit Liebe. Denn am Ende war ich immer gut fürs Bett und Partynächte, aber wehe die Öffentlichkeit bekommt Wind von dem kleinen dicken Geheimnis. Lange waren mir meine perfekten großen Brüste, die langen, straffen Beine und der pralle Hintern wichtiger, als meine Gefühle oder mein Stolz. Es hat sehr lange gedauert für mich und meine Gefühle einzustehen. Mein Herz hab ich geopfert, hunderte Male, um ja nicht allein zu sein mit mir und meinen Komplexen. Die ich mir selbstverständlich nie eingestanden habe.

Den Körper fürs eigene Seelenheil verkaufen. Nur ein Schutzmechanismus, den sich dicke Mädchen aneignen, um sich selbst lieben zu lernen. Der völlig falsche Weg, aber bei mir immerhin mit dem richtigen Ergebnis. Mit den Jahren kam das Bewusstsein, das bewusste Einsetzen meiner 'Waffen'. So hab ich aus purer Verletztheit das Spiel gedreht. Bis ich endlich anfing reflektiert und gesund mit mir umzugehen. Es war ein so verdammt langer und steiniger Weg zu der selbstbewussten Frau, die ich heute bin. Die sich problemlos im Bikini ins Freibad und an den Strand traut. Die zu absolut keiner Tages- und Nachtzeit darüber nachdenkt, was andere über sie denken. Die sich im Spiegel anguckt und sagt Du bist nicht schön trotz, sondern weil.

Ok, vielleicht nicht jeden Tag. Ehrlich gesagt sogar lange nicht jeden Tag. Aber wer tut das schon? Ich kenne keine Frau auf dieser Welt, die wirklich hunderprozent zufrieden ist mit sich. Je weniger Makel, umso mehr zu meckern. So fühlt es sich zumindest manchmal an. Also liebe Gesellschaft. Selbstliebe ist kein kurzzeitiges Phänomen. Selbstliebe ist überlebenswichtig. Ich bin nicht stark, weil ich dick bin. Ich bin stark, weil ich stark bin. Ich bin nicht hässlich, weil ich dick bin. Und Du bist nicht schön, nur weil Du dünn bist.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und das ist verdammtnochmal gut so. Jeder Mensch ist schön. Für irgendjemanden. Und hoffentlich am meisten für sich selbst. Lasst uns nicht mehr darüber definieren, was wir ausstellen. Lasst uns über Einstellungen und Charakter urteilen. Oder noch besser, lasst uns gar nicht urteilen.

Nutzen wir Adjektive wieder, wie normale Wörter. Nicht beleidigend, nur beschreibend. Schon in der Grundschule lernen wir, ein Adjektiv ist ein WIE-Wort und kein WAS SOLL ICH DARÜBER DENKEN- Wort. Du bist dünn. Ich bin dick. Jeder ist so, wie er ist. Ende Aus. So einfach gedacht, so unmöglich umzusetzen, solange uns die Gesellschaft und die Werbung durch Euphemismen klar machen, dass dick eben nicht so normal ist wie dünn. Denn kein Euphemismus der Welt, macht, dass ich mich besser fühle, nur weil man das ach so böse Wort dick irgendwie malerisch umschreibt.

Denn hey, ich bin dick und glücklich. Ihr braucht mir Eure Ideale nicht aufzwingen, denn es geht mir gut so wie ich bin. Ganz ohne Eure Zustimmung. Doch dass können viele wohl nicht akzeptieren oder gar verstehen. Und was tun Menschen, die irgendetwas nicht verstehen? Sie zerreißen es sprichwörtlich in der Luft. Denn der Widerstand ist immer so viel leichter, als die Akzeptanz. Doch wisst Ihr was? Unter keinen Umständen tue ich Euch den Gefallen und führe Krieg gegen Euch. Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr Euch eines Tages selbst liebt. Dass Ihr Euch nicht mehr darüber definiert, was an anderen schlecht ist, sondern darüber, was an Euch gut ist.

Denn am Ende des Tages, wollen wir uns alle nur mit uns selbst wohlfühlen. Egal welche Größe oder welcher Körper-Typ. Also lasst uns doch alle zusammen halten. Und wenn Ihr das nicht wollt. Nicht könnt. Und jedes einzelne Wort in diesem Text lächerlich findet. Bitte.

Dann hoffe ich, dass es Euch so richtig sauer macht, dass ich verdammt sexy sein kann. Dass ich nur so vor Energie sprühe, wenn ich mitten auf der Tanzfläche stehe und alle Blicke auf mich reiße. Dass ich leidenschaftlich gerne eine Frau bin, die jede einzelne Rundung perfekt einzusetzen weiß.

Allen anderen möchte ich sagen, dass ich irgendwann in den Spiegel geguckt habe. Meine Mama hat diese Hüften und diesen Bauch. Und meine Oma auch. Und dass ich mich nicht mehr fertig machen lasse von Zielen, die ich eh nicht erreiche. Viel lieber feier ich mich und freue mich, dass ich sie habe. Dass sie dafür sorgen, dass ich eben nicht so aussehe, wie das Mädchen neben mir. Dass ich einzigartig bin. Denn genau das ist es, was wahre Schönheit ausmacht.

Vergessen wir Euphemismen und Schönrederei. Seien wir schön. Alle, genau so, wie wir sind.

liebe: https://www.youtube.com/watch?v=wV1FrqwZyKw [lady gaga - born this way]



mitteendezwanzig

mit mitteendezwanzig in der Krise


Man sagt, dass der Mensch alle 7 Jahre eine prägende Phase durchläuft. Ich wäre dann also jetzt am Ende meiner vierten Phase. Wohl die erste, die ich nicht mit exzellent, sondern mit 'sie war stets bemüht' abschließe. Also sollte irgendjemand Noten verteilen für durchgestandene Lebensphasen, ich wär froh, wenn es noch dauert bis zur Zeugnisvergabe. Vielleicht wenigstens noch so lang, bis ich weiß wie ich ungefähr weiter mache. Vom Fleck weg komme. Wieder Fahrt aufnehme. Egal.

Augen zu. Zurück in Phase eins. Ach diese wohlig warme Mama-Liebe. Ignorieren wir den Papa-Schmerz und freuen uns über Mama, Oma und Opa. Immer behütet, nichts kann Dir passieren. Man ist stolz, wenn Du Bäuerchen machst. Einschläfst. Die ersten Schritte gehst und Ach-so-schnell groß wirst. Die erste Phase endet so Ende der ersten Klasse - auf meinem Zeugnis steht was von perfekter Entwicklung, tollem Sozialverhalten und übermäßiger Intelligenz. Cool. Kind sein, frei sein, austoben. Das Schlimmste, was Dir passieren konnte waren höchstens gebrochene Knochen oder was? ich darf keine Cola trinken? Ich will aber!

So dann kannst Du laufen, lesen, schreiben und plötzlich wirst Du immer größer und bekommst das auch noch mit. Entwickelst ein Bewusstsein. Rebellierst. Irgendwie fühlst Du Dich schon so richtig groß und cool, weil plötzlich kommst Du auf's Gymnasium, schreibst immer noch nur Einser und auch sonst gibt es keinen Grund zur Sorge. Außer vielleicht, Hey wie schwänz ich Sport? Ach ich sag ich hab meine Tage. So einfach geht's. Und weiter. Attacke!

Voll Bock auf Erwachsenwerden. Jungs. Alkohol. Grenzen ausloten und in jedem Fall weit überschreiten. Unendlicher Wachstumsschmerz, weil in der Pubertät ja grundsätzlich alles und jeder gegen Dich ist. Streiten, Fluchen, Flaschen zerschlagen. Weltschmerz auf Deinen Schultern, aber hey... weitertanzen. Eine Lebensphase voller mit Superlativen besetzter Erster Male. Aber mal ehrlich, noch kein erster Liebeskummer war wirklich der Schlimmste und mit Sicherheit kein erster Sex der Beste. So, Zeugnis wird erstellt mittelmäßig gutes Zweier-Abi. Studienplatz. Fuck it, Leben ich komme!

Oh und wie. Neue Stadt. Erste eigene Wohnung. Studiert wird nebenbei. Viel wichtiger ist jetzt. Feiern und gefeiert werden. Eine Phase voller wirklicher Superlativer. Keine Sorgen werden nach 3 Tagen wach reichlich diskutiert. Wusste man damals natürlich nicht, dass das noch keine Sorgen sind. Laberflashs gefolgt von Abstürzen. Zerfeiert. Zerlebt. Superlative, sag ich ja. Aber verdammt glücklich, immer wieder den wirklich schlimmsten Kater, den Du je hattest, überlebt zu haben. Ach und nebenbei das Studium abschließen, Bachelorarbeit schreiben, Zeugnisdurchschnitt wieder irgendwas mit 2. Also wäre die Phase da vorbei, aber das wirklich Erwachsenwerden soll ja erst noch kommen.

Wieder zurück nach Köln. Praktikum, Festanstellung. Lebenslauf wie ein Traum. Also halten wir uns an die berufliche Laufbahn. Das war immer so der rote Faden. Das, was immer klar und geradlinig war, egal auf welcher Seite der Linie ich gerade rumgetobt bin. Ich musste mich nie wirklich anstrengen. Nie wirklich darüber nachdenken, was ich eigentlich will. Alles lief und plätschert so vor sich hin. Klar - im Job den Arsch aufgerissen. Sich für den tollen, hippen Titel komplett aufgeopfert. Und dann gefallen. Tief.

Erschöpfungsdepression. Klingt nichtmals halb so scheiße, wie es sich anfühlt. Krank. Zuhause. Kündigung. Freier Fall.

Und plötzlich wirst Du aus Deinem eigenen sich drehenden Hamsterrad geschmissen. Im hohen Bogen ins Nichts. Amtbesuche. Rumschlagen und Warten auf Geld. Ja scheiße, dafür hatte ich jetzt keinen Plan B. Ich brauchte den ja nie. Gesundheitlich das Beste, was mir passieren konnte. Hab ich mich doch so lang vor der Entscheidung gedrückt den Notfall-Fallschirm Kündigung zu ziehen. Zu viel Angst. Zu bequem. Wasauchimmer. Also steh ich jetzt da. Am Anfang von einem großen ungewissen Nichts. Zum ersten Mal will ich selber die Entscheidungen treffen. Keine Angst mehr vor Bürokratie und dem ganzen Erwachsenen-Ding haben. Sortiere meine Träume und suche den Mittelweg. Und eins steht fest. ICH SCHAFF DAS SCHON. Was Rolf Zuckowski mir in der ersten Phase eingeredet hat, muss stimmen. Das weiß ich.

So sitze ich jetzt hier. Am Ende der vierten Lebensphase. Und frage mich, was wohl auf meinem Zeugnis stehen wird, wenn ich das hier durch habe. Wieder zurück in der Spur bin. Auch wenn ich jetzt gerade noch nicht weiß wie und wohin. Wird schon. Wird immer.




Versprochen ist versprochen

und wird nicht gebrochen. Oder?


Keine Ahnung, wie sich ein Hurricane anfühlt, aber ich schätze in etwa so wie Dein 'Ich weiß, wir haben es uns versprochen, ABER...'.

Doch fangen wir vorne an. Jedes Mädchen hat diese verträumt naive Vorstellung der besten Freundinnen, die für ein Leben lang zusammen bleiben. Groß geworden mit Sex and the city und Hollywoodstreifen, deren Inhalt immer diese irgendwie unzertrennlichen paar Menschen sind, bei denen am Ende immer alles gut wird. Man lernt relativ schnell, dass Freunde kommen und gehen, wie Gewitterwolken und Sommermonate. Manche Menschen sollen Dich einfach nur eine Zeit lang begleiten. Das Erwachsenwerden verlangt viele Preise, einer der höchsten ist wohl die unanständig hohe Anzahl an Freundschaften, die für immer halten sollten und dann am Strom der Alltäglichkeiten brachen. Mit dem Alltag und dem Alter kommt sie wirklich, die Erkenntnis, dass es auf die paar Freunde ankommt, auf die man sich wirklich verlassen kann und die einem mehr bedeuten, als die 56 ach so tollen Freunde aus Kinder- und Schultagen.

Es kommt dabei in keinster Weise darauf an, wer schon wie lang befreundet ist. Wer was mit wem geteilt hat, denn Freundschaften zehren nicht nur aus der Vergangenheit. Manche zerbrechen sogar an ihr. An dieser große Erwartungen schürenden gemeinsamen Vergangenheit. Wenn Abende mit 3 Flaschen Wein sich nur noch im 'Weißt Du noch'-Karussell drehen und der direkte Bezug zum Gegenüber fehlt. Wenn man essentielle Meinungsverschiedenheiten sorglos mit einem Erinnerungsfetzen weglächelt, sich zuprostet und nochmal die alten Lieblingslieder hört. 

Ja man kann viel weglächeln und aus tiefster Verbundenheit die Augen vor allem verschließen, das sich im Weg angesammelt hat. Denn die tiefe Verbundenheit haben wir uns hart erarbeitet. Über 12 Jahre Freundschaft. Füreinander Berge versetzt, miteinander er- und dann betrunken. Vertraut wie Geschwister, verbunden wie ein Liebespaar. Familie. Wir. 

Fast genau so alt wie unsere Freundschaft ist dieses eine Versprechen. Dieses 'Wenn wir mal heiraten werden wir auf jeden Fall gegenseitig unsere Trauzeugen, ja, jaaa? - Ja klar.' Und egal was kommt, was kam, was war und was ist. Um eins musste ich mir nie Gedanken machen. Es kam der Antrag und die Frage aller Fragen an Dich. Du sagst ja. Freude, Hoffnung, Vorfreude. Alles ist gut. War es immer. Wird es immer sein. So spinnen wir rum, fangen an zu planen und freuen uns auf all das was kommt. 

Nichts freut mich also mehr, wie Dein Antrag. Endlich. Jetzt kann es losgehen mit der gemeinsamen Planerei. Nichts kann uns trennen. Eh nicht. Doch manchmal merkt man selbst gar nicht wie weit daneben man liegt. 

Und ja, ich habe Keine Ahnung, wie sich ein Hurricane anfühlt, aber ich schätze in etwa so wie Dein 'Ich weiß wir haben es uns versprochen, ABER...'. Eigentlich sind alle Abers irrelevant. Alle Gründe unwichtig. Alles gerade egal. Alles still. Mein Kopf rauscht. Mein Herz bricht. Und niemand bricht Dein Herz lauter als Deine beste Freundin. Die, der Du Dein Leben anvertrauen würdest. Die für die du immer loyal eingestanden und überall voller Feuer und Flamme gekämpft hast. Die, die Dich gerade in den Arm nimmt und immer weitere Gründe anbringt.

Ich mein, der zukünftige Ehemann will das nicht. Aha.
Die Entfernung - war ja meine Entscheidung wegzuziehen, ok also bin ich auch noch selbst Schuld. Aha.
Die Trauzeugin des Zukünftigen. 'Ihr könnt ja eh nicht miteinander' - Aha.
Dass DU, meine beste Freundin SIE hasst ist dabei egal.

Aber er darf Dir mich verbieten. Du stehst nicht zu mir. Du bist nicht mehr loyal. Gerade bist Du gar nichts mehr. Du bist nur noch die, die mir mein Herz schlimmer gebrochen hat, als es je ein Mann geschafft hat. Also ja, das war mein persönlicher Hurricane. Als ich danach apathisch und heulend hinterm Steuer unser halbes Leben an mir vorbeirauschen sah. Als alles ganz laut war und ich stumm.

Als ich plötzlich wütend wurde. Nicht auf ihn, der mich nicht als Deine Trauzeugin will, weil er mich hasst. Nicht auf den, der denkt, dass ich eure Ehe nicht unterstütze. Nicht auf den, der denkt wir hatten eine schwierige Vergangenheit. Und bei Gott, die hatten wir. Ich kann Deinen zukünftigen Ehemann nämlich wirklich nur schwer an Deiner Seite ertragen. Nicht weil ich ihn nicht mag, Ihr kennt Euch nur durch mich. Was nebenbei erwähnt wohl einer der größten Fehler meines Lebens war. Denn er hat Dich über 4 Jahre lang so oft zum Weinen gebracht und verletzt, wie man es als beste Freundin wirklich nicht tolerieren kann. Ich wünschte Dir immer einen Mann, der zu Dir steht und Dich nicht nur auf Händen trägt, wenn er dich gerade mal wieder fast verliert. Der Dich aufrichtig liebt, wie Du bist. So wie ich es auch tue.

Nein, wütend bin ich auf Dich. Weil Du mit dieser Entscheidung ein Versprechen brichst. Weil Du eines der wichtigsten Versprechen brichst. Weil Du mir dann im Nebensatz eröffnest, dass Du nicht weißt ob Du denn zu meiner Hochzeit kommen kannst, da Du ja den Termin noch nicht weißt. Weil Du mir mein Herz gebrochen hast. So einfach gesagt. So schwer zu ertragen.

So viel Liebe. So viel Freundschaft. So viel Schmerz, der mir gerade um die Ohren fliegt. Ich weiß gerade nicht ein, nicht aus und nicht weiter. Ich weiß nur, ich wünsche Dir von Herzen eine Trauzeugin, die Dich so gut kennt, wie ich es tue. Die dich so sehr liebt, wie ich es tue. Die nur das beste für Dich will und die immer für Dich da ist. Deine Wünsche auch ihre sind und Dir die Trauzeugin ist, die ich gewesen wäre.

Ich wünsch Dir alles Glück der Welt, wenn es das ist, was Du brauchst. 

Guten Morgen, Herr Doktor





Guten Morgen, Herr Doktor!

Wobei gut ist hier an diesem Montag morgen gar nichts. Der Morgen an dem ich mir eingestehe, dass ich nicht mehr kann. Nicht mehr können will. Nicht mehr können muss. Als letzter Ausweg dient da immer der Arzt. Rechtfertigen ist nicht mehr. Kein Chef, keine sonstwie höhere Instanz hat jetzt noch was zu sagen für Dich. Es zählt nur die Hilfe am Ende des Tunnels. Der Onkel Doktor. 

Guten Morgen lächelt mir die Sprechstundenhilfe entgegen. Offene Sprechstunde - Dantes Inferno für mein sich gleich überschlagendes Herz. So ruhig wie möglich Sitzplatz suchen. Da hinten in der Ecke ist noch einer frei. Schnell sein, wer will schon einen Stehplatz beim Arzt. 

Ok, gut. Durchatmen, ich sitze. Ganz ruhig. Ich atme flach, nicht durchdrehen jetzt. Kalter Schweiß tänzelt auf meiner Stirn, meine zitternden Hände stell ich ruhig indem ich mich darauf setze. So eingeklemmt zwischen Oberschenkel und schrecklich unbequemem Wartezimmerstuhl. Die Wände kommen immer näher. Nehmen mir die Luft zum Atmen. Ruhig bleiben, dir passiert nichts. 

Gegenüber an der Wand obszön große Makro-Aufnahmen von Pusteblumen. Ob denen die Ironie bewusst ist? So viele hoffnungslose Fälle - so ein dummes Wünsch-dir-was Bild? Erinnert mich an Kindheitstage. Sorgenfrei über Wiesen toben und sich bei jeder Pusteblume was wünschen. Augen zu. Pusten. Wunsch. Ich drifte ab, denn von sorgenfreien Kindheitswünschen bin ich momentan in etwa so weit entfernt wie die Sonne von der Erde. Wobei wir in dem Fall natürlich froh über die Entfernung sein können, wünsch ich mir ein bisschen kindliche Leichtigkeit zurück. 

Mir wird schlecht. Mein Magen krampft. Dieser viel zu vertraute Schmerz. Wie das pochen in der Stirn. Ja Körper, ich bin doch beim Arzt. Ich weiß, dass Du nicht mehr kannst. Ich hab's verstanden. Ich Wehr mich nicht mehr gegen dich. Bin dank der Schlaflosigkeit ohnehin zu schwach noch gegen irgendetwas zu kämpfen. Am wenigsten weiter gegen mich. Das ist als wär ich Don Quichotte und die Windmühlen. Kampf auf Leben und Tod, mit sich selbst. Ausweglos. Also such Dir 'nen Ausweg, los!

So Sitz ich hier. Menschen kommen und gehen. Noch 8 vor mir, immerhin auch schon wieder 5 nach mir. In meinem Kopf ein stetiger Kampf zwischen 'Mach dich nicht verrückt, mit 'nem gebrochenen Bein gehst Du auch zum Arzt' und 'schwach, seit wann bist du so schwach?!'-Schlachtrufen. Lasse reden da oben. Ich warte weiter. Mein Name. Bitte sag doch endlich meinen Namen. Endloses Warten auf diesen erlösenden Moment von 'guten Morgen Herr Doktor, bitte Helfen Sie mir. Ich kann nicht mehr'. 


Spiel mir das Lied vom Tod





Spiel mir das Lied vom Tod

Am 20.7. hat sich einer meiner Jugendhelden Chester Bennington für den kürzesten Weg entschieden und seinem Leid aus freien Stücken ein Ende gesetzt. Er hinterlässt Frau und Kinder, Freunde und Familie. Doch all das hielt ihn nicht zurück. Konnte ihn nicht mehr halten.

Noch vor ein paar Monaten hätte ich das nur schwer verstehen können. Doch manchmal ändern sich Meinungen, Einstellungen und Ideale. Vielleicht manchmal auch erst, wenn man zu oft selbst nicht mehr weiter wusste. Nie an den Freitod gedacht, ihn aber auch nicht mehr kategorisch abgelehnt oder gar verurteilt.

Wenn du bei Vollgas im Leben die Kontrolle verlierst und von der linken Spur rechts rüber blinkst, ein sekundenschneller Gedanke - der Baum am Wegesrand und alles wär vorbei. All der Schmerz, die Wut, die Verzweiflung. Ein Wimpernschlag ins Glück. Ein Takt des Liedes 'given up' und schon hast du aufgegeben. Doch für welchen Preis findest Du deinen Frieden?

Was ist mit den Freunden, die nichtmal ahnen wie schlimm es um Dich steht. Werden sie dich vermissen? Sich Vorwürfe machen? Leiden? Nein, das kannst und willst Du nicht verantworten.  

Die Familie, dein Partner? Die besten Freunde? Die alles geben dir zu helfen und dich am Ende doch verlieren? Denen du das Herz brichst und in unermessliche Trauer treibst. Nein, das darfst und wirst Du nicht verantworten.

Also lenkst Du zurück. Bleibst auf der Spur. Gehst nur etwas vom Gas. Atmest. Weinst. Stehst zitternd auf dem Standstreifen deines Lebens, alles rauscht an Dir vorbei. Doch das Lied hört nicht auf. Kann es sein, dass Du dein Leben nur weiterführst, um andere nicht zu verletzten? Doch jetzt erklär einem mal jemand, wie man das macht, für sich um seiner selbst Willen leben wollen. Woher nimmt man den Mut und wer schenkt einem die Kraft? 

Für andere leben und seins dabei verlieren. Dein Leben lang der Starke. Du schaffst alles, du kannst das, du kannst alles, aber vor allem gerade nicht mehr.

Plötzlich gefangen in einem Strudel es allen Recht zu machen, sich selbst aufrecht zu halten, gegen grau und schwarz anzuschreien mit dem Wunsch nicht auszuflippen. Wo bist Du? Wo bleibst Du? Auf der Strecke ist keine Option, doch jeden Morgen ist da weniger von Dir im Spiegel. Der Stolz juckt, der Ehrgeiz geweckt. Ich schaff das schon. Klar. Wie immer. 

Wenn morgen die Sonne scheint, kann das alles so schlimm nicht sein. Durchatmen. Weitermachen. Doch wie lang noch bis egal? Wie lang noch bis kein Schmerz mehr? Ja ich will dankbar sein für mein Leben, es nicht wegwerfen. Sie macht dich krank, diese Selbstverständlichkeit, die alle Leben nennen. Die sollen jetzt mal bloß nicht übertreiben, keiner weiß wie es dir geht. 

Mit jedem Atemzug nimmt sich irgendwo auf der Welt ein Mensch das Leben. Will nicht mehr weiterkämpfen. Kann es nicht mehr. Wie weit muss man kommen, dass selbst die anderen nicht mehr zählen. Endgültig nicht mehr mehr wiegen als das eigene Leben? 

Was trennt dich noch von denen? Was unterscheidet euch? Der Glaube? Kannst Du noch glauben? An Dich? An niemand sonst. Denn jetzt stehst Du da, mit Dreck und Tränen in den Augen. Bist Du blind oder willst Du nur nicht sehen? Sieh es. Zumindest ein. Es geht um Dich. Immer. Du bist es wert zu leben. Deinetwegen. Aufstehen. Kämpfen, egal wie lang und hart der Weg. Am Ende stehst du wieder oben und weißt, dass morgen die Sonne wieder scheint. Kannst selig einschlafen, weil morgen die Sonne wieder scheint. Du lebst. Für dich. Und so wieder mit allen. Mit denen die dich lieben, nicht mehr dagegen. 

So Sitz ich hier im Auto. Auf dem Standstreifen. Schnall mich an und fahr los. Fahr weiter. Ruhe in Frieden Chester, ich bleib noch hier. Ich kämpfe. Für mich. Für Dich. 





Apathisch warten.



Früher hätte ich mir jetzt eine Höhle gebaut Rolf Zuckowski gehört und Astrid Lindgren gelesen. In jedem Fall hätte ich mich erfolgreich vor der Welt und mir selbst versteckt. 

20 Jahre später gestaltet sich das mit dem Verstecken etwas schwieriger. Doch manchmal schafft man es sich so gut zu verstecken, dass man sich selbst nicht mehr wahrnimmt. Nicht mehr findet. Nicht mehr spürt.

Apathisch starren.

Apathisch atmen.

Apathisch warten.

Darauf, dass dieser Zustand endet. Darauf, dass irgendjemand gerade mal Dein Leben in die Hand nimmt. Oder Dich.  Ich schau mir im Moment ständig beim Warten zu. Ich warte die ganze Woche darauf, dass Wochenende ist. Dann ist Freitagabend und Du atmest einmal tief ein, schon ist Sonntag. Und mit Sonntag meine ich Panikattacken und Heulkrämpfe, die sich mit apathischem auf genau diese Warten abwechseln.

Apathisch atmen.

Apathisch wippen.

Apathisch warten.

Auf den Montag. Auf die nächsten Panikattacken. Die nächsten unbändigen Heulkrämpfe gefolgt von nichts. Unaufhaltbar viel nichts. Gefühlskalt und desillusioniert. Gefangen zwischen Wutaus- und Nervenzusammenbruch schleppst Du Dich mit letzter Kraft bis Freitag. Und weiter geht's. Tief einatmen und mit Glück noch ein, zwei Mal durchatmen bevor es von vorne losgeht.

Apathisch sitzen.

Apathisch trinken.

Apathisch warten.

Darauf, dass der Kaffee mit viel Zucker jetzt doch bitte endlich seinen gottverdammten Job macht. Ich weiß genau, was ich tun muss, damit es mir besser geht. Kaffee hilft gegen diese unfassbare Müdigkeit, der Zucker bringt die Stimmung auf Trab. Die richtige Musik, die richtigen Gedanken und schon lenk ich von der Einbahnstraße Alltag in Richtung Gefühlsgabelung - die Maske sitzt, die Gefühle passen wieder in den Alltagsrahmen und ich drohe nicht mehr aus meinem eigenen zu fallen. Ibuprofen gegen den Kopfschmerz, eine Vomex und ein Hoch auf die gleich verschwindende Übelkeit - weiter geht's. Auf geht's.

Apathisch tippen.

Apathisch lachen.

Apathisch warten.

Auf die gute Laune, die ich mir fast selber glaube. Soll sie doch auch wirklich kommen. Auf das ehrliche Lachen, dass den Tag dann doch noch rettet. Auf den kreativen Aufschwung, denn auf den ist Verlass, wenn ich innerlich im Kreis laufe. Mein innerliches Karussell fahren führt zu kreativen Ergüssen und extrem guten Leistungen. Die mich aber umso mehr anstrengen und nach Feierabend fordern.

Apathisch blinzeln.

Apathisch freuen.

Apathisch warten.

Auf die Verabredung mit Freunden, die ich wahrscheinlich wieder absagen werde. Fadenscheinige, aber keineswegs unglaubwürdige Gründe um zu begründen, was nicht zu erklären ist. Ich will nicht. Ich will keine Nähe, keine Fragen, keine Vorwürfe. Ich will keine ständigen von mir initiierten Themenwechsel und keine besorgten Gesichter.  Ich will einfach nur schlafen. In mein Bett. Meine Höhle. Ich bin müde. Mit Sicherheit nichts lebensmüde, aber des Lebens müde. So liege ich im Bett. Der Körper im Halbschlaf, das Gehirn auf Hochtouren. Aber bald ist wieder Wochenende. Und es heißt wieder und weiter

apathisch warten.

Ich weiß, dass es so nicht weiter geht. Ich weiß, dass ich selbst den Arsch hochkriegen muss. Ich weiß, dass ich meines eigenen Glückes Schmied bin. Ich weiß, dass es mir eigentlich so verdammt gut geht. Ich weiß, dass ich liebe und geliebt werde. Ich weiß, dass ich genau die Falschen verletze, wenn ich mich wieder in mir selbst verstecke. Aber ich versteck mich doch nicht vor Euch. Sondern vor mir. Und ich verspreche Euch, ganz bald sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Ganz bald mach auch ich aus dunkelgrau wieder kunterbunt. So wie Ihr es von mir gewohnt seid. Ich fange langsam an. Mach mir mein Leben endlich wieder widde widde wie es mir gefällt und nerv Euch mit meiner viel zu positiven Art. Ganz bald. Versprochen.

Aber bis dahin, lasst mich noch ein bisschen warten. Noch ein oder zwei mal die Decke über den Kopf ziehen und liegen bleiben. 

Apathisch warten. 

jung, weiblich, verlobt, sucht.

Von einer 28-jährigen mit astreinem Lebenslauf und nicht der geringsten Chance.
Wenn Frustration eine graue Wolke ist, dann ist die Jobsuche der scheißbeschissene Weltuntergang. Von einer 27-jährigen mit astreinem Lebenslauf und nicht der geringsten Chance.
Irgendwie spiel ich im Moment gegen die Arbeitswelt. Mit 100 Assen im Ärmel. Schach. Im so genannten akademischen Werdegang gibt es an sich viele Frustrationspunkte, keine Frage. Kurz vor'm Abi, als ich lieber feiern als lernen wollte. Kurz nach dem Abi, als ich deshalb nicht meinen Traum-Studienplatz bekommen habe. Abertausendmal im Studium, als ich regelmäßig die Notwendigkeit von deskriptiver Linguistik und/oder all meiner Fremdsprachen angezweifelt habe. 9 Klausuren in 7 Tagen, kein Problem für mich. Die Bachelorarbeit in 6 Wochen? Kein Problem für mich. Nervenzusammenbrüche und Zukunftsangst am Ende des Studiums? Locker weggesteckt.
Vorbildlicher Werdegang, kein 'Ich musste mich selbst finden und bin super individuell durch Australien gereist', kein 'ich hab erst mal gejobbt um weiter feiern zu können' und auch kein 'ich zieh wieder bei Muddi ein, weil ich bin jetzt was Besseres und unter 50.000€ im Jahr steh ich gar nicht erst auf'. Im Gegenteil: Ohne Umschweife vom Studium ins Praktikum. Gut angestellt, fest eingestellt.
Long story short - 4 Jahre Online Marketing Managerin später - keine Prespektive. Kein Raus aus dem grauen Kampf gegen Windmühlen Arbeitsalltag. Kaum ein Cent Lohnerhöhung in 4 Jahren. Wasweißich wie viele Überstunden, durchgearbeitete Wochenenden und nicht erstattete Reisekosten später. Gefühlt weiter weg von den 50.000€ pro Jahr als die Studienkollegin, die immer noch bei Muddi wohnt.
Weggezogen. Job behalten. Warum? Weil ich nichts anderes finde. Eine Fast-Anstellung hat mir vor Fast-Vertragsabschluss verkündet, man habe sich für den Mann entschieden. Logisch, dass ich mich eine Woche nach Ablauf der Probezeit schwängern lasse. Passiert dem Mann so schnell nicht. Klar. Auch logisch, dass ich nach meiner Meinung gar nicht erst gefragt werde. Darf man ja nicht. Gesetzlich verbotenes Nachfragen sorgt also für generelles Unterstellen. Genau mein Humor.
Die Bilanz ist also ein solider Lebenslauf. Von einer motivierten Möchtegern-Mitarbeiterin. Die sich seit Jahren für einen undankbaren Arbeitgeber den Arsch aufreißt, ich mein, wie schlimm kann es schon werden mit mir? Ich will arbeiten. 8 Stunden. Mal mehr als 20 Tage Urlaub im Jahr und vielleicht sowas wie fairen Lohn? Keine Sorge, lieber zukünftiger Arbeitgeber, was für mich gerechter Lohn, ist für Sie wahrscheinlich noch günstiger Zeitarbeiterpreis. Gründe mir abzusagen gibt es ja wie Sand am Meer: Überqualifiziert, unterqualifiziert, Quereinsteiger, zu blond, zu fett, zu was weiß ich und natürlich sogutwie Mutter. Klar
Aber würden Sie mir wenigstens absagen. Machen wir uns nichts vor, in der Regel bekommt man ja nicht einmal eine Absage. Nicht mal die Antwort bin ich wert? Ernsthaft? Soll ich dann jetzt kündigen, um mir die Pendelei, die 60 Stunden Woche und den Druck zu ersparen? Damit ich nicht daran kaputt gehe, obwohl ich mir jetzt schon so oft weinend um 20:00 Uhr noch 'nen Kaffee ziehe? Soll ich kündigen und 3 Mini-Jobs machen? Geld hätte ich genau so viel. Nur weniger Ausgaben für die Pendelei oder die Reisekosten oder das Parken am Büro. Herr Tauber, soll ich? Ach hätt ich nur was ordentliches gelernt. Schreiner, Koch oder Fensterputzer. Ach wär ich doch nur schön und lustig und würde irgendwas mit Medien machen. Ach, ach, ACH.
Klar, das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. Klar haben es alle immer noch schwerer. Klar lohnt es sich zu studieren und sich den Arsch aufzureißen. Klar hilft es mir jetzt nicht zu kündigen und gar kein Geld mehr zu haben, klar. Klar könnt ich alle Energie, die in den Text geflossen ist auch in Ihre Texte legen. Klar, würde ich lieber für Sie Werbung machen, als für mich. Klar würde ich lieber über eine Work-Life Balance nachdenken. Auf der Autobahn vielleicht. Im Stau. Auf dem Weg nach Hause. Wo mal wieder keine Absage auf mich wartet. Keine Zusage. Einfach keine Reaktion.
Denn ja, wenn Frustration ein Gewitter ist, dann ist die aktuelle Jobsuche der scheißbeschissene Weltuntergang. Grüße aus dem Gewitter. Kuss.

Update: Mittlerweile 28. Mittlerweile bin ich Freiwild auf dem Arbeitsmarkt. Geändert hat sich nichts. Leider. 

Knöchelfrost der Gesellschaft



Back to the Spießer-Roots. Am Arsch. Mein Hass geht raus an alle konfettiwerfenden Heimlich-Bausparer und frauenfeindliche Feministenfotzen. Verzeiht.

Sei Du selbst. Finde Dich selbst. JA! Scheiße ja! Aber oh Wunder - das geht auch leise. Und alleine. Ohne Masse. Einfach so. 
Du bist nicht cool, nur weil Deine Knöchel auch im Winter frieren. Du bist nicht, cool nur weil du dich vegan ernährst und Dein Leben ein Tanz auf dem cleanandhealthy Hashtag ist. Du bist nicht cool, weil du jetzt Latte Macchiato mit Avocado mischst und das flippig und hip, wie Du bist Avolatte nennst. Du bist nicht cool, weil Du Wodka nur mit Mate, Pfeffi aus Kreuzberg und grundsätzlich noch am besten gar nicht trinkst. Du bist nicht cool, weil Du lieber kiffst. Du bist nicht cool, weil Du alle anderen Drogen ausprobierst und die Welt retten willst. 
Dein Jutebeutel stinkt. Dein Rennrad nervt und dein Männerdutt ist an Sexyness kaum zu unterbieten. Aber Bart - ohja Bart ist besonders wichtig. Selbst der kleinste, dünnste und von Gott mit kaum Bartwuchs ausgestattete Torben trägt jetzt Bart. Naja Flaum. Aber auch Bernd Stelter lag falsch - 3 Haare machen noch keinen Bären. Und erst Recht keinen Mann. Und um Gottes Willen ISS. Und damit mein ich den Imperativ von essen und nicht die Raumstation. Und red nicht so hipp und cool und fühl Dich nicht so tolerant ohne alles andere zu tolerieren.
Pah! Das sagt genau die Richtige ne? Richtig! Ich tolerier Dich. Dich als Individuum, wenn es wirklich Dein Style und Deine volle Überzeugung ist. Ja die Sneaker sehen cooler aus, wenn die Hose Hochwasser hat. Ja die witzigen Sprüche auf Deinem Jutebeutel mag ich auch - mocht ich schon, als es noch Tweets waren. Ja verdammt ich trink auch gern Mate und Pfeffi. Aber Berlin mag ich nicht. Nee. Ja ich trag auch Dutt. Und niemand behauptet der sieht gut aus - aber ich darf das. Warum? Weil ich ein Mädchen bin.
 Jaha! Und da sind wir beim nächsten Thema. Seit wann ist es cool Feministin zu sein? Warum ist es nicht einfach normal für seine Rechte einzustehen? Warum muss ich für jeden Cent mehr bis auf's Blut kämpfen und mein Kollege bekommt die Gehalterhöhung auf dem Silbertablett serviert? Warum ist es nicht normal, dass ich mir mein Bier selbst zahlen kann und wenn ich will auch mein Steak grille? Was ist falsch daran zu denken, dass ich als Frau genau so viel Wert bin wie Du als Mann?
 Oder bin ich das nur, wenn ich nett lächel? Schweigend meine Weißweinschorle trinke und verführerisch in meinen Haaren rumspiele? Während ich Dir an Deinen Lippen hänge und egal was für ein uninteressanter Schrott eben diese verlässt immer lache und nicke? Und lache und nicke? Ja ich lache gerne, aber Nicken war schon als kleines Mädchen 'ne große Schwäche von mir. Viel lieber hab ich auf den Boden gestampft und mit dem Kopf geschüttelt. So wild, dass meine blonde Mähne durch die Gegend flog. Ja meine Mähne fliegt heute auch noch. Beim Tanzen. Oder beim Lachen an der Bar. Nur dass ich eben keine Weinschorle bestelle, sondern ein Herrengedeck. Ja ich bin auch eine gute Frau, wenn ich lieber Schnaps und Bier als Wein und Wasser trinke. Und in welcher Welt leben wir, dass ich darüber überhaupt nachdenken soll?
 A propos Welt - Du nervst. Du nervst hart. Als wär das nicht alles schlimm genug. Weiblich. Ende 20. Leichter Hang zum Alkoholismus und den Drogen nie abgeneigt. Bald die Frau von Ihm und eigentlich rundum zufrieden - ABER: RUNDum ist das Stichwort. Ich will eine Welt in der eine Frau, Frau sein darf. Eine Welt in der es egal ist ob ich Größe 38, 48 oder sonstwas trage. Ich will dass es mir egal ist was andere denken. Noch lieber will ich dass Ihr alle so einen Müll nicht mehr denkt. Ich will kein Bodyshaming mehr. Keine Genderdebatten kein gar nichts. Ich will ich sein. Ich will mit vollster Überzeugung zu viel wiegen. Zu viel lachen und zu viel trinken. Ja mein Arsch ist zu fett, dafür aber extrem knackig und meine Brüste haben mir schon manches Bier bezahlt. Trotzdem geht es um die Einstellung, nicht das was wir ausstellen. Ich will Akzeptanz. Ja Krieg ist einfacher als Frieden, aber das interessiert mich nicht. Leben und leben lassen. Kapier das, Welt. AMEN.
 PS: Ach noch was, lasst das mit den Snapchat-Filtern. Ist ja vielleicht witzig und süß. Aber schickt es nicht in die Welt raus. Macht Euch nicht zu kleinen süßen Häschen. Und Pandas. Und überhaupt. 

irgendwie offiziell. echt jetzt.

Oder auch: Zwischen 'Ich will nie heiraten und bloß keine Kinder' und 'Scheiße - JA, ICH WILL' liegen manchmal Welten. Oder eben nur Eine. Unsere.
Es gibt sie - diese Tage, die einfach so daherkommen, dich an die Hand nehmen und so schnell nicht loslassen werden. Gestern war so ein Tag. Beim ersten Kaffee war schon nach dem ersten Sex. Und zweiten. Aber darum soll es in diesem Text nicht gehen. Vielmehr geht es um  Sicherheit, was sie bedeutet und warum man immer und immer wieder dafür kämpfen muss. Interessiert euch nicht? Herzlichen Glückwunsch - entweder bist Du ein nicht zu beneidenswerter Glücksfall oder dumm. Denn in der Wirklichkeit, hier unten bei Schnaps und Tränen, wo es um Authentizität und echte Gefühle geht, da tut's halt manchmal einfach weh. Richtig weh. Aber auf der anderen Seite halt eben auch so richtig gut. Und um das gut geht es jetzt.
Denn, egal mit wem ich wann und wie im letzten Jahrzehnt verkehrte - ich war immer die Scherbatzky unter den Mädels. Die, die sich nicht binden und vor allem keine Kinder wollte. Ich konnte stundenlang für die Freiheit referieren und auf WG-Partys alle bis zu bedingungslosem Verständnis überzeugen. Alle, die damals noch überzeugt taten sind genau das nicht mehr - mittlerweile. Täglich grüßen neue Hochzeitsfotos noch mit oder schon ohne Baby-Bauch. Kinderfotos. Schnuller-Spielzeug- an Süßhaftigkeit nicht zu überbietender Kram halt. Lässt mich kalt. Denk ich. Naja gut, das bisschen Hormone. Das bisschen Wunsch nach Sicherheit. Ach komm schon.
Und plötzlich war er da. Dieser kitschige Moment in dem ich mich für den Einen von irgendeinem trennte. Kopfüber in ein Abenteuer stürzte. Zu keiner Sekunde hab ich das bereut. Ich bin überzeugt davon, noch nie so geliebt zu haben. Diese glitzernden Augen, dieses verschmitzte Lächeln, dieser mich kitzelnde Bart - alles an mir liebt alles an ihm. Schritt für Schritt - Drama für Drama - nehmen wir Kurs auf. Das perfekte Team. Unendlich viele Streits. Umzug. Krankheit. Nichts hält uns auf. Wir bauen fleißig an unserem Sicherheitsbunker. So unumstößlich wie eine Burg - so zerbrechlich wie eine rosa Seifenblase. Und dann ist er wieder da - dieser Moment. Dieser Streit. Irgendwas mit Eifersucht und Kontrolle und Angst. Im Grunde ist es immer die Angst, die sich genau dann, wenn gerade alles perfekt ist, nach oben kämpft, einen mit ihrer verhöhnenden Fratze ins Gesicht lacht und alles wieder zum Wackeln bringt. Und ja es wackelt. Und es tut weh. Aber irgendwas ist anders.
Ich falle. Ich falle aber nicht mehr ins bodenlose. Es tut weh, aber es frisst mich nicht mehr auf. Es geht mir um Offenheit. Klarheit. Ehrlichkeit. Viel mehr als um Sieg. Ego. Und Rechthaberei. Wir streiten. Aber wir streiten um unsere Sicherheit zu beschützen. Irgendwie streiten wir miteinander und nicht mehr gegeneinander. Irgendwann driften wir ab. Erzählen uns von Fehlern, die wir begangen. Untreue, die wir gelebt. Partnern, die uns egal waren. Anstatt deshalb an unserer Sicherheit zu zweifeln. An unserem bedingungslosen Vertrauen zu rütteln. Anstatt irgendwas oder Alles in Frage zu stellen, stelle ich nur fest. Ich stelle fest, dass ich noch nie so treu war. Dass mir Sicherheit und Liebe noch nie so viel bedeutet hat. Dass Monogamie sich keine Sekunde nach Käfig anfühlen muss. Dass man frei und trotzdem treu sein kann. Weil man es will. Und in dem Moment guckt er mich an - er guckt in mich hinein. Ich bin sicher er denkt das gleiche. Fühlt es. Weiß es, denn plötzlich sagt der unbändige Heiratsgegner, der im Herzen immer freie Hippie, das, was ich nie erwartet. wovon ich nie geträumt zu wagen habe. Seine Hand in meiner - sein Blick auf mir verweilend sagt er ruhig 'Willst Du mich heiraten?' - er sagt es todernst und voller Liebe. Das hat nichts mit der leeren Flasche Schnaps auf dem Tisch zu tun. Nichts mit dem Rumgealber, wenn es sonst um das Thema ging. Nein - das war ernst. Und ich bin ruhig. Scheiße JA, sag ich und es laufen 2 bis zweihundertweiundzwanzig Freudentränen meine Wange hinab. Ich kann das nicht glauben. Kaum fassen, aber ich bin jetzt die 'Zukünftige' von meinem 'Zukünftigen'. Scheiße ja - und das fühlt sich so verdammt gut an. So richtig.Noch kein Ring. Noch kein Termin. Aber so viel fast unaushaltbare Liebe. Nicht weil sie perfekt ist. Weiß Gott nicht. Aber weil sie echt ist. Und vor allem weil sie unsere Liebe ist. Unser Baby. Noch unser einziges. Noch denk ich und grinse.
Denn JA, manchmal liegen zwischen 'Ich will nie heiraten und bloß keine Kinder' und 'Scheiße - JA, ICH WILL' Welten. Oder eben nur Eine. Unsere.

Blätterrascheln und Weltuntergang.

Doch es geht um so viel mehr: Mehr Sex. Mehr Zimt. Mehr Liebe.


Den Kopf im viel zu großen Schal versteckt, laufen wir durch den Herbst, als bestünde er  nur aus bunten Blättern, grauen Tagen und hoffnungsloser Endlichkeit. Ja Himmel, im Herbst ist alles vorbei. Die warmen Tage, die langen Nächte und die Schmetterlinge im Bauch.  Doch aus den kurzen, kalten Tagen werden die längsten und heißesten Nächte.
Denn das schönste am Herbst? Der Geruch von Sex, Zimt und Liebe.
So laufe ich durch den malerisch grauen Alltag. Regentropfen werden vom rauen Wind verweht und tanzen mit den trostlosen, vertrockneten Blättern den Totentanz. Mir ist kalt. Den viel zu großen Schal zieh ich enger, versteck mich darin vor dem großen grauen Weltuntergang. Der Herbst schreit einem die Endlichkeit ins Gesicht. Das Jahr geht zu Ende. Mein Jahr. Wiedermal.
Der Schlüssel kratzt im Schloss. Ich schließ meine Augen und rieche ihn. Meinen Herbst. Mein Mann, der Zuhause auf mich wartet. Der Zimt in der Luft von der Duftkerze im Flur. Es riecht nach Zuhause, nach ihm, uns. Schuhe aus, Schal aus, Mantel aus. Ankommen. Fallen lassen. Wie die Blätter draußen im Strudel des Windes tanzen - so tanze ich in Deinem.
Still stehst Du vor mir. Deine Augen fesseln mich. Alle Gedanken an Endlichkeiten, Alltäglichkeiten scheinen kilometerweit weg. Kilometerweit weggetragen vom Herbststurm. Es ist nicht länger kalt und grau. Es ist endlich warm. Und wie. Deine Hände streicheln meinen Hals. Meine Wange. So liebevoll. So zart. Deine Augen verdunkeln sich und im gleichen tiefen Atemzug streichst du meinen Hals runter und deine Hand legt sich fest, bestimmen um meinen Hals. 
Du nimmst mir die Luft. Die Luft zum Atmen  und alles in mir ringt nach Luft. Nach Lust. Nach Dir. 
Du kitzelst es wach. Weckst es aus dem anstehenden Winterschlaf. Das Tier in mir. Deine Fingerspitzen brennen auf meiner Haut. Brennen sich ein. So heiß. So gut.
Wir kämpfen uns vom Flur auf's Sofa. Hinterlassen Spuren aus Klamotten. Lauter, schwerer Atem ist unser Herbststurm, der uns trägt. Immer stürmiger. Immer wilder.
Je wilder wir werden, desto wärmer wird es um uns. Je lauter wir werden, desto leiser wird es um uns. Je dunkler das Wir, desto strahlender die Welt.
Alles, was grau und endlich schien ist weit weg. Ich fühle nur Dich. Uns. Mehr brauch ich nicht. Aus Endlichkeit wird Unendlichkeit. Aus Angst vor dem Ende, Hoffnung auf Neuanfang. Eng verschlungen. Zitternd. Schwitzend. Deine Haut auf meiner. 
Es riecht nach Sex. Purer, intimer Leidenschaft. So liegen wir da. Du hältst mich fest. Wir haben immer noch kein Wort miteinander gewechselt. Warum auch? Worte sind überflüssig, wenn du realisierst, dass der Herbst in all seiner traumhaft schönen Grausamkeit kein Ende ankündigt, sondern einen Neuanfang. 
Er streift alles ab. Das alte Jahr. Das Vergangene. Den Alltag. Ich streif alles ab. Mit den Klamotten auch den Alltag. Lass meine Hüllen und mich fallen - atme tief ein. Atme den Herbst. Meinen Herbst. Atme den verführerischen Geruch von Sex, Zimt und Liebe.